Neues Quartier mit Kalt-Nahwärme

Nahwärme aus dem Boden, und zwar nicht allzu tief: Wenige Meter unter der Oberfläche entsteht aktuell ein Kollektor für die sogenannte kalte Nahwärme. Mit diesem innovativen Konzept will die Leinenetz GmbH das neue Wohngebiet beheizen, das bald zwischen Siemensstraße und Landwehr entstehen wird. Das Muster aus Rohren welches am Westrand des Gebiets, das die Bauleute gerade wieder unter Sand verschwindet, erinnert an eine Fußbodenheizung: Mehrere Kilometer Rohr aus äußerst widerstandsfähigem Kunststoff liegen in engen Schleifen auf rund 3200 Quadratmetern Fläche. Sie werden eingepackt in Sand und Bentonit-Bahnen.

Sinn der unterirdischen Anlage: Eine Flüssigkeit aus Sole und Glykol, die in den Rohren zirkuliert, welche auf einer konstanten Temperatur von 8 bis 10 Celsius bleiben soll. Für die Wärme in den Häusern sind dezentrale Wärmepumpen zuständig. „Das reicht, um in den Haushalten dauerhaft 35 bis 50 Grad warmes Wasser bereitzustellen“, sagt Roland Rebers, der zuständige Projektleiter bei der Leinenetz GmbH. In modernen Gebäuden reiche das für die Heizung. Dank der zwar kühlen, aber konstanten Temperaturen könnten die Wärmepumpen in den Haushalten auch deutlich energiesparender und geräuschärmer laufen als solche, die Außenluft ansaugen. Das Gebiet soll mit Strom aus erneuerbaren Quellen beliefert werden.

Die ersten wärmespeichernden Rohre, zusammengefasst auch Kollektor genannt, werden bereits jetzt gebaut, weil darüber das Regenrückhaltebecken für das Baugebiet angelegt werden soll. Deshalb ist dort die Grube auch einige Meter tief. Die nächsten Kollektoren – insgesamt weitere 6000 Quadratmeter Fläche in zwei Schichten – werden ein Stück weiter südlich entstehen. Der obere liegt dann lediglich gut einen Meter unter der Erdoberfläche. Die Nachfrage danach ist groß.
Viele 

Bei den städtischen Wirtschaftsbetrieben und der Leinenetz läuft das neue Wohngebiet unter dem Schlagwort „Klimaquartier am Rübenberge“. Ein Pilotprojekt mit kalter Nahwärme gibt es bereits in Bad Nauheim in Hessen, niedersachsenweit ist der Kollektor der erste seiner Art und Größe. „Wir betreten hier Neuland, die Technik ist innovativ, aber auch schon erprobt“, sagt Wirtschaftsbetriebe-Chef Dieter Lindauer. Und Bürgermeister Dominic Herbst fügt hinzu: „Ich finde es klasse, dass wir hier so ein Leuchtturmprojekt haben.“ In der Politik werde schon lange über klimafreundliches Bauen diskutiert, hier werde ein entsprechendes Projekt umgesetzt, sagt Herbst. Auch Photovoltaik, Carsharing und E-Mobilität werde man im Quartierskonzept mitbedenken, sagt Projektleiter Rebers.

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